Nachlese der Fachtagung, die am 30.05.2016 stattfand

„Wie kann ich geflüchtete Kinder und Jugendliche im Spracherwerb und beim Schreiben lernen unterstützen?“ Diese Frage beschäftigte zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung „Junge Flüchtlinge in Kitas und Schulen stärken“, die am 30. Mai in Osnabrück als gemeinsame Veranstaltung der Stadt und der Universität Osnabrück organisiert wurde.
„Die Kinder in den Sprachlernklassen sind unsere künftigen Schülerinnen und Schüler. Deshalb möchte ich mehr über den Spracherwerb und Sprachfördermöglichkeiten erfahren“ sagte eine Regelschullehrerin. Das Thema „Sprache“ war auf der Tagung mit vier Workshops vertreten. Angeboten wurden Workshops zu Sprachbildung im Elementarbereich, Vorbereitung und Unterstützung des Schriftspracherwerbs, zur bewegungsorientierten Unterstützung der Sprachentwicklung sowie zum sprachsensiblen Fachunterricht. Die Mehrzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesen Workshops war bereits in der Sprachförderung geflüchteter Kinder und Jugendlicher tätig bzw. wird in absehbarer Zeit eine solche Aufgabe übernehmen. Befragt nach ihren Wünschen für weitere Unterstützungsmaßnahmen gaben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Workshops vor allem mehr Fortbildungen an. Wichtig war den Teilnehmerinnen aber auch eine engere Kommunikation zwischen Kolleginnen und Kollegen in Praxis und Forschung sowie ein umfassenderes und differenzierteres Angebot an Sprachfördermaterialien.
Positiv beurteilten die Mehrzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die hohe Wertschätzung und das Einfühlungsvermögen, mit dem viele Fachkräfte den geflüchteten Kindern und Jugendlichen begegnen. Dies ermöglicht bereits nach kurzer Zeit eine vertrauensvolle Beziehung zwischen geflüchteten Schülern und Fachkräften. Aus den Workshops haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem praktische Beispiele und Ideen für neue Förderansätze mitgenommen – und viel neues Wissen über Schrift, gesprochene Sprache und Sprachentwicklung. Der Ansatz der Tagung, Praxis und Universität für die Riesenaufgabe der Sprachbildung und -förderung geflüchteter Kinder und Jugendlicher gemeinsam an einen Tisch zu bringen, sollte unbedingt fortgeführt werden.
Klar wurde in den Workshops aber auch: Das allgemeingültige Rezept für den Schriftspracherwerb oder den Wortschatzaufbau kann es nicht geben – zu individuell sind die Voraussetzungen der Lernenden und zu komplex die Erwerbsaufgabe „Sprache“. Und: Geflüchtete Kinder und Jugendliche benötigen keine Sonderrezepte, sondern sind in erster Linie Kinder und Jugendliche. Die Frage, wie diese – geflüchteten und nicht geflüchteten – Kinder und Jugendlichen am besten das Deutsche lernen, wird Praxis und Forschung wohl noch eine Weile beschäftigen.

Angela Grimm, Christina Noack, Elisabeth König, Julia Lieske, Eleonora Sattelmaier


Hier geht es zum Bericht des nifbe (Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung) über die Fachtagung Junge Flüchtlinge in Kita und Schule stärken.

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